Aphasie

Was ist eine Aphasie?

Aphasie ist eine Sprachstörung, die durch eine Erkrankung oder eine Verletzung des Gehirns plötzlich eintritt, z. B. durch einen Schlaganfall, einen Hirntumor, eine Entzündung des Gehirns, eine Kopfverletzung. Bei einer Aphasie sind die Sprachfähigkeiten mehr oder minder stark beeinträchtigt. Der/die Betroffene hat Schwierigkeiten, die Sprache anzuwenden, d. h. seine Gedanken in Worte zu bringen, die Sprache zu verstehen, Texte oder Wörter zu lesen und zu schreiben. 

Die Sprachproduktion bei einer Aphasie kann vom Gesamteindruck her entweder flüssig wirken oder unflüssig. Bei der flüssigen Form der Aphasie spricht der/die Betroffene viel, ohne Punkt und Komma. Dabei kann das Gesagte kaum verstanden werden, weil die Wörter entweder in ihrer Struktur verändert sind (z.B. „Kassetasse“ anstatt „Kaffeetasse“), oder sie werden anders verwendet als in der üblichen Wortbedeutung (z.B. „Messer“ anstatt „Teller“). Auch der Satzbau kann überschießend, ineinander verschachtelt sein, sodass man dem Gesagten schwer folgen kann. Der/die Betroffene hat nicht selten große Schwierigkeiten, die gesprochene und geschriebene Sprache zu verstehen. Das heißt, es kommt oft zu Missverständnissen, ohne dass der/die Betroffene es mitbekommt.

Bei der unflüssigen Form der Aphasie hingegen hat der/die Betroffene eine starke Sprachanstrengung. Oft werden nur einzelne Wörter oder kurze Sätze mühsam hervorgebracht.. Auch hier ist die Wortstruktur häufig verändert, die Lautfolge ist z.B. verdreht oder ein Laut wird durch einen anderen ersetzt (z.B. „Pfott“ anstatt „Topf“, „Taffe“ anstatt „Tasche“). Das Sprachverständnis ist oft besser erhalten.

Der/Die Partnerin hat also im Gespräch mit dem Betroffenen oft viel Mühe, das Gesagte zu verstehen und es braucht viel Geduld (→ siehe: Kommunikationshilfen bei Aphasie), (→ siehe: Angehörige).

Behandlung der Aphasie 

Ausgangspunkt der Therapie ist die gründliche, umfassende Diagnostik sowohl der Sprachsymptome als auch der erhaltenen Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten.

In der Aphasietherapie werden die gestörten Sprachmodalitäten systematisch, d.h. kleinschrittig und in Verknüpfung von Sprechen, Lesen, Schreiben und Verstehen, aufgebaut, verbessert und erweitert. Hinzu kommt, dass die in der Therapie geübten sprachlichen Fähigkeiten in einen Alltagskontext gebracht werden, z.B. durch Frage-Antwort oder kurze Rollenspiele. Ganz besonders wichtig für die Therapiemotivation sind auch die eigenen Ziele des Betroffenen, z.B. wieder an Gesprächen teilnehmen, Zeitung lesen oder dem Enkelkind eine Geschichte vorlesen zu können.

Diagnostik und Therapieverfahren in der Aphasietherapie

In meiner Praxis für NeuroLogopädie verwende ich folgende Verfahren:

Diagnostikverfahren:

  • Der Aachener Aphasie-Test (AAT)
  • LEMO 2.0 – Lexikon modellorientiert: Einzelfalldiagnostik bei Aphasie, Dyslexie und Dysgraphie
  • Bielefelder Wortfindungsscreening (BIWOS) für leichte Aphasien.
  • Regensburger Wortfindungstest (RWT)
  • MAKRO – Screening zur Verarbeitung der Makrostruktur von Texten bei neurologischen Patienten
  • Fragebögen zur Alltagskommunikation

Therapieverfahren:

  • Linguistisch orientierte Aphasietherapie
  • MOAT (Modellorientierte Aphasietherapie)
  • Neurolinguistische Aphasietherapie (NAT)
  • MODAK (Modalitätenaktivierung)
  • Syntax-Therapie
  • REST (Reduzierte Syntax-Therapie)
  • Deblockierungsmethode
  • Melodische Intonationstherapie (MIT)
  • Therapie der Textverarbeitung (Texte verstehen, Texte produzieren)
  • Situations- und alltagsbezogene Therapie
  • Rollenspiele
  • Kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie
  • Intensive Sprachtherapie
  • Gruppentherapie
  • Angehörigenberatung

 

Kommunikationshilfen bei Aphasie

Die Angehörigen sind die wichtigsten Gesprächspartner für den Partner mit einer Aphasie. Im Gespräch mit Ihrem aphasischen Partner, im Austausch von Mitteilungen, beim Fragen, beim Interpretieren der oft reduzierten, unverständlichen Äußerungen werden an Sie sehr hohe Anforderungen und viel Geduld verlangt.

Hier erhalten Tipps, wie die Kommunikation trotz gestörter Sprache besser gelingen kann:

  • Kommunikationshilfen bei Aphasie für Angehörige (Tabelle)