Störungen der Schriftsprache

Im Rahmen Aphasie können die erworbenen schriftsprachlichen Fähigkeiten in besonderer Weise beeinträchtigt sein. Da es unterschiedliche Verarbeitungsstrategien beim Lesen und Schreiben gibt, sind die Schwierigkeiten, die dabei auftreten können, ebenso unterschiedlich wie vielfältig. Eine genaue Diagnostik über die Symptome und der Strategien beim Lesen und Schreiben zu Beginn der Therapie ist daher unabdingbare Grundlage für ein planvolles und zielgerichtetes Vorgehen in der Therapie.

Störungen des Lesens (Dyslexie / Alexie)

Beim Lesen lassen sich zwei unterschiedliche Vorgehensweisen (Lesestrategien) unterscheiden: Bei der einzelheitlichen Strategie wird ein Wort Buchstabe für Buchstabe gelesen. Das schnelle Erfassen des ganzen Wortes ist nicht möglich. Das Lesen ist geprägt durch silbisch lautierendes Lesen mit großer Anstrengung. Je länger ein Wort ist, desto mehr Zeit wird gebraucht. Auch treten Verwechselungen von Lauten und Buchstaben auf, so dass das Lesen insgesamt ein sehr mühsamer Prozess darstellt.

Bei der ganzheitlichen Strategie können hochfrequente Wörter schnell und korrekt gelesen werden. Bei weniger vertrauten Wörtern kommt es jedoch häufig zu „Fehlgriffen“, es wird ein lautlich ähnliches Wort gelesen oder ein in der Bedeutung anderes Wort. Die Fehler werden von dem Betroffenen oft nicht bemerkt.

Bei vielen Betroffenen treten Mischformen auf. Und nicht immer kann aufgrund der Leistungen beim lauten Lesen auf das Lesesinnverständnis rückgeschlossen werden. So ist es möglich, dass ein Wort, Satz oder Text flüssig gelesen, der Inhalt des Textes aber nicht erfasst wurde. Umgekehrt, dass ein Wort Satz oder Text nicht laut gelesen werden kann, aber die Bedeutung verstanden wird, ist ebenso möglich.

Störungen des Schreibens (Dysgraphie /Agraphie)

Beim Schreiben werden ähnliche Verarbeitungsstrategien angenommen wie beim Lesen. Deshalb treten bei einer Dysgraphie / Agraphie ähnliche Symptome auf wie bei den oben beschriebenen Störungen des Lesens.